Portal:Fürst Leopold

Aus Wikipedia zur Industriegeschichte Dorsten

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Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Mutungsantrag, 1902
Ort (Fundpunkt) der Mutungsbohrung auf Steinkohle -FL II, 1902- Quelle:OpenStreetMap
Nikolaus Leopold zu Salm-Salm (Gemälde 1906)
Luftbild Fürst Leopold, 1926, © Regionalverband Ruhr, Essen.
Luftbild Fürst Leopold, 17.07.1945, © Luftbilddatenbank Dr. Carls, Estenfeld
Luftbild Fürst Leopold, 1952 © Regionalverband Ruhr, Essen.
Luftbild Fürst Leopold, 1955
Luftbild der Zeche Fürst Leopold (um 1978)
Luftbild Fürst Leopold, 2007, © Regionalverband Ruhr, Essen
Luftbild Fürst Leopold, 2011, © Hans Blossey
Luftbild Fürst Leopold, 2015, © Michael Löwrick
Schachtverfüllungen, 2019, © Quelle: RAG




Der Name des Bergwerks leitet sich ab von Nikolaus Leopold Joseph Maria Fürst zu Salm-Salm (1838 - 1908), der als Standesherr zu jener Zeit das Bergregal innehatte, also das Verfügungsrecht über die Bodenschätze besaß. Nachdem Versuchsbohrungen in den Jahren 1899 bis 1902 ergaben, dass auch nördlich der Lippe Kohle wirtschaftlich gefördert werden kann, beantragten Emil Tilmann, Dortmund und Victor Weidtman, Aachen die Bewilligung einer Genehmigung zum Bergbau (Mutung) in Hervest. 1906 erwarben sie das 4,4 km² große Bergeigentum vom Fürsten Salm-Salm zu Anholt und veräußerten dieses umgehend wieder für 750.000 Mark an die Bergwerksgesellschaft Consolidation in Gelsenkirchen. Als Regalherrn stand dem Fürsten zu Salm-Salm der sogenannte "Bergzehnte" zu, der nach dem abgeschlossenen Vertrag auf 1% des Verkaufswerts der zu fördernden Kohle ermäßigt wurde, aber auch durch einmalige Zahlung abgelöst werden konnte. Am 14. November 1910 begann man damit Schacht 1 abzuteufen. Die erste Kohle wurde am 19. Januar 1913 gefördert.


Ab 1914 erwarb das Eisen- und Stahlwerk Hoesch nach und nach Kuxe der "Gewerkschaft Fürst Leopold" und der "Gewerkschaft Fürst Leopold-Fortsetzung". Zweck dieser Ankäufe war es, sich vorsorglich Rohstoffe zu sichern für das expandierende Unternehmen. Mit dem Erwerb von nahezu allen Kuxen wurde die "Gewerkschaft Fürst Leopold" 1918 aufgelöst und das Bergwerk als ein Betriebsteil des Eisen- und Stahlwerks Hoesch geführt. Die in Dorsten geförderte Gas- und Gasflammkohle eignete sich zwar nicht dazu, Koks für die Verhüttung von Eisenerz herzustellen. Doch benötigte Hoesch auch Kohle für die Erzeugung von Wärme, und für die Befeuerung von Kraftwerken. Zudem konnte die Dorstener Kohle als sogenannte Bunkerkohle für Schiffsdampfmaschinen im In- und Ausland abgesetzt werden. Der Export von Kohle musste z.T. subventioniert werden, da außerhalb von Deutschland wegen dort günstigerer Standortbedingungen Steinkohle preiswerter abgebaut werden konnte.


1931 erfolgte der Verbund von "Fürst Leopold" mit der Holsterhausener Zeche Baldur unter dem Namen "Fürst Leopold-Baldur". Am 30.November 1969 wurde die Hoesch Bergbau AG und damit auch die Zeche Fürst Leopold-Baldur in die neu gegründeten Ruhrkohle AG eingebracht. Nachdem 1971 eine gemeinsame Werksdirektion mit der Zeche Wulfen gebildet worden war, kam es am 01.01.1982 zum endgültigen Zusammenschluss unter dem Namen "Fürst Leopold/Wulfen".

Die höchste Förderung erreichte das Bergwerk 1997 mit 2,4 Mio. Tonnen, die von 2.943 Beschäftigten erzielt wurde.

Zum 01. April 1998 verschmolzen die beiden Zechen Westerholt und Fürst Leopold/Wulfen zum Bergwerk Lippe. Quasi als Ausgleich für den Wegfall der Arbeitsplätze auf Fürst Leopold erhielt die Stadt Dorsten die Zusage, dass die Ausbildungsstätte in Dorsten weiterbetrieben würde und auch die Verwaltung der Verbundzeche ihren Sitz in Dorsten haben würde. Die letzte Kohle auf Fürst Leopold wurde am 17. August 2001 gefördert. Die Ausbildung kam nach Herten-Westerholt und zum Leidwesen der Stadt Dorsten (Berichtsvorlage Stadt Dorsten) zog auch die Verwaltung nach Herten. Der räumliche Verbund der Grubenfelder von Leopold und Westerholt erfolgte am 15. Juni 2005 mit dem Durchschlag einer zwischen den beiden Zechen aufgefahrenen Strecke. Das Bergwerk Lippe stellte schließlich am 19.12.2008 den Betrieb ein.

2019 wurden beide Schächte bis zu einer Tiefe von 670 m teilverfüllt. Schacht 1 wird künftig als Reservebrunnen vorgehalten. Sollte die konzipierte Förderung des Grubenwassers an anderen Standorten im Revier zu einem widererwarteten höheren Anstieg als festgelegt führen, könnte durch Einbringen von Tauchpumpen in Schacht 1 die Wasserhaltung im Ruhrgebiet unterstützt werden. Um die Standsicherheit des 1910 abgeteuften Schachtes auch auf lange Sicht gewährleisten zu können, wurde der Schachtquerschnitt durch Ausbetonieren von 6,50 m auf 2,70 m verringert. Schacht 2 wurde bis zu einer Tiefe von 670 m komplett verfüllt, könnte aber ggf. für weitere Unterstützungssümpfungen wieder aufgebohrt werden.


Datei:Tagesriss 1960.jpgTagesriss (Werksplan) von 1960, © Hagemann



Datei:Tagesriss_1941.jpgTagesriss (Werksplan) von 1941, © Hagemann



Zeittafel

Jahr Ereignis
1902 Mutung der Felder Fürst Leopold I - III
1906 Februar/März: Verleihung der Felder Fürst Leopold I - III, Gründung der Gewerkschaft "Fürst Leopold" (im Besitz der Bergwerksgesellschaft Consolidation)
1908 Verleihung der sechs Felder Fürst Leopold IV - IX
1909 Verleihung Feld Fürst Leopold X, Berechtsame: 21,2 km²
12.02.1910 Konsolidierung der Berechtsame zu Fürst Leopold,
14.11.1910 Teufbeginn Schacht 1 (Gefrierverfahren)
1911 Teufbeginn Schacht 2 (Gefrierverfahren), Schacht 1: Karbon bei 600 m(-567 m), Teilung der Berechtsame in Fürst Leopold (15,1 km²) und Fürst Leopold Fortsetzung (6,1 km²)
1912 Schacht 1: Ansetzen 1. Sohle = 647 m(-614 m), Schacht 2: Ansetzen 2. Sohle = 744 m(-709 m), erste Kohlenförderung, 532 t, 394 Beschäftigte
19.01.1913 Schacht 1: regelmäßiger Förderbeginn
1913 Tieferteufen Schacht 1 bis 2. Sohle, 39236 t, 626 Beschäftigte
1914 Tieferteufen Schacht 1
1915 Schacht 1: Ansetzen 3. Sohle = 874 m(-839 m), Schacht 2 ebenfalls bis 3. Sohle, 151418 t, 799 Beschäftigte
22.09.1918 Erwerb durch die Hoesch AG, Auflösung der Gewerkschaft
1920 Erwerb Feld Trennstück 0din (0,35 km²), Gesamtberechtsame: 21,5 km², 334201 t, 1795 Beschäftigte
1925 509872 t, 2068 Beschäftigte
1926 Auffahrung Strecke auf 3. Sohle zum Verbund mit Baldur, jedoch im gleichen Jahr gestundet
1930 523035 t, 1445 Beschäftigte
01.04.1931 Zusammenlegung mit sillgelegter Zeche Baldur zu Fürst Leopold-Baldur, Baufeld: 25,3 km2, Anlagen:

Fürst Leopold: Förderanlage, Schächte 1/2 bis 3. Sohle = 874 m(-839 m), Baldur: Schächte 1/2 bis 3. Sohle = 743 m(-710 m), Juni: Durchschlag zwischen 2. Sohle Fürst Leopold und 3. Sohle Baldur, 482080 t, 1253 Beschäftigte

1934 42 Feierschichten wegen Absatzmangel
1935 567304 t, 1204 Beschäftigte
1940 1.095342 t, 2410 Beschäftigte
1945 schwere Kriegsschäden, 3. Sohle unter Wasser, Mai: Sümpfen, 279974 t, 1869 Beschäftigte
1946 Anlagen: Fürst Leopold 1/2, Baldur 1/2 (nur Wetterführung), Hauptfördersohle: 3. Sohle 874 m(-839 m)
1950 1.058644 t, 3436 Beschäftigte
1953 Inbetriebnahme Kraftwerk
1954 Verfüllung Schacht Baldur 2 bis unterhalb 1. Sohle = 595 m
1955 1.412910 t, 4296 Beschäftigte
1956 max. Förderung: 1.499302 t, 4477 Beschäftigte
1960 1.214618 t, 3344 Beschäftigte
1965 1.172667 t, 2735 Beschäftigte
1969 1.106982 t, 1808 Beschäftigte
1970 Bildung einer Werksdirektion aus den Zechen Fürst Leopold-Baldur und Wulfen, jedoch bleiben beide weiterhin selbständig fördernde Anlagen. Umbenennung Fürst Leopold-Baldur in Fürst Leopold, Baufeld: 20 km², Anlagen: Fürst Leopold: Förderanlage, Schächte 1/2 bis 3. Sohle = 874 m(-839 m) = Fördersohle, Baldur: Schacht 1 bis 3. Sohle = 743 m, Schacht 2 bis 1. Sohle = 595 m, 1.9. Strebbruch (3 Tote), 1.213006 t, 1890 Beschäftigte
1972 Verfüllung Schacht Baldur 2
1973 Fürst Leopold: Ansetzen 4. Sohle = 1034 m(-1000 m) im Gesenk
1975 1.206139 t, 2038 Beschäftigte
1976 Bau eines neuen Fördergerüsts über Schacht 1 und Umbau des Schachts auf Gefäßförderung, Förderberg von 3. Sohle zur 4. Sohle
1979 Mutung Feld Im Vest (0,14 km²)
1980 max. Förderung: 1.277840 t, 2325 Beschäftigte
1981 Durchschlag 3. Sohle mit 2. Sohle Wulfen mittels Strecken und Gesteinsberg (Länge: 7580 m), Übernahme Förderung untertage von Wulfen
01.01.1982 Umbenennung in Fürst Leopold/Wulfen.

Anlagen: Fürst Leopold: Schächte 1/2, Förderanlage, Fördersohlen: 3. Sohle = 872 m(-839 m) und im Gesenk 4. Sohle = 1034 m(-1000 mS), Schacht Baldur 1 bis 3. Sohle = 743 m(-710 m), nachfolgend genannt 2. Sohle), Wulfen 1/2: 2. Sohle = 1037 m(-991 m, -1000 mS), Kohlen untertage von Wulfen nach Fürst Leopold, Baufeld: 104,3 km², Tieferteufen Schacht Baldur 1, 1.383923 t, 2764 Beschäftigte

1983 Schacht Baldur 1: Ansetzen neue 3. Sohle = 864 m(-831 m), 4. Sohle = 943 m(-910 m) und 5. Sohle = 1053 m(-1020 m), Wulfen: Umbenennung 1. Sohle in 3. Sohle und 2. Sohle in 5. Sohle
1984 30.01.: Fördereinstellung im Schacht Wulfen 1
1985 1.846060 t, 3109 Beschäftigte
1988 Schacht Leopold 1: Umbau Fördergerüst, in Planung: Teufen Schacht Wulfen 3 (zwischen Fürst Leopold 1/2 und Wulfen 1/2)
1990 Wulfen: Auffahrung 4. Sohle, 2.117843 t, 3051 Beschäftigte
1991 Tieferteufen Schacht Baldur 1: Ansetzen 1. Teilsohle = 1158 m(-1125 m), Wulfen: Anschluss der nachträglich angesetzten 4. Sohle = 927 m(-880 m) an die 4. Sohle Fürst Leopold
1992 Schacht Baldur 1: Ansetzen 2. Teilsohle = 1283 m(-1250 m)
1993 Schacht Baldur 1: Ansetzen 6. Sohle = 1323 m(-1290 m)
1995 2.386962 t, 3302 Beschäftigte
1997 max. Förderung: 2.400350 t, 2943 Beschäftigte
01.04.1998 Verbund mit Westerholt zum Bergwerk Lippe
17.08.2001 Einstellung der Kohleförderung
15.06.2005 Durchschlag des Flözberges im Flöz L/K/I von Fürst Leopold nach Westerholt. Damit räumlicher Verbund beider Bergwerke unter Tage.
19.12.2008 Stilllegung des Bergwerks Lippe
19.12.2008 Die Tedo GmbH in Dorsten erwirbt 11,3 ha der ehemaligen Zechenfläche mit den historischen Gebäuden im Zentrum
14.10.2011 Die Kernfläche des Zechenareals wird aus der Bergaufsicht entlassen
30.11.2011 Nach Rückübertragung des Fördermaschinenhauses von Tedo an die RAG Montan Immobilien überträgt diese wiederum das Eigentum an die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur
2015 Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur erhält von der RAG als Zustiftung das Fördergerüst Schacht 2.
2017-2019 Schacht 1 wird ab einer Teufe von 670 m zu einem Brunnenschacht für eine später mögliche Reservewasserhaltung umgebaut und explosionssicher verschlossen und versiegelt. Durchmesser: 2,70 m.
2019 Schacht 2 wird ab einer Teufe von 670 m mit einem wiederaufbohrbaren Beton für eine spätere Reservewasserhaltung verfüllt und explosionssicher verschlossen und versiegelt.

Beschäftigungszahlen

Beschäftige auf Fürst Leopold(/Wulfen)


Förderleistung

Förderung auf Fürst Leopold


Neue Nutzungen

Um neue Nutzungsmöglichkeiten zu entwickeln, wurde 2001 die Projektgesellschaft Fürst Leopold (PGFL) ins Leben gerufen. Gesellschafter der inzwischen liquidierten Einrichtung waren die Stadt Dorsten und die MGG (heute: RAG Montan Immobilien) mit jeweils 50% Geschäftsanteilen. Umfangreiche Bestandsaufnahmen der Gebäude, der Infrastruktur und des Freiraumes bildeten die Basis für eine 2004 von den Architekten und Stadtplanern Börner/Schmidt (Dorsten) und Post/Wolters (Dortmund) vorgelegten Konzeptstudie über neue Nutzungsmöglichkeiten auf der ehemaligen Zechenfläche. Diese Arbeiten wurden durch die EU und das Land NRW gefördert.

2006 hat die MGG mit der Firma PRISMA Immobilien, Dorsten einen Letter of intent geschlossen. Zielsetzung dieser Absichtserklärung war es, weitergehende Planungen vorzunehemen, mit dem Ziel, die Ansiedlung von Einzelhandel sowie weitere Nutzungen für Freizeit und Kultur auf dem Kerngelände zu prüfen. Parallel zu den Planungen des Investors hat die Stadt Dorsten in mehreren Gutachten untersuchen lassen, inwieweit die vom Investor gewünschten Einzelhandelsvorhaben verträglich sind mit städtebaulichen und handelswirtschaftlichen Zielen.

2009 erwarb die zwischenzeitlich neugegründete Gesellschaft TeDo (Tempelmann-Dorsten) rund 12 Hektar des ehemaligen Bergwerks Fürst Leopold von der RAG Montan Immobilien und der RAG AG. Der Rat der Stadt Dorsten hat daraufhin die Aufstellung eines Bebauungsplans für das zentrale Zechengelände beschlossen und 2011 einen Vorentwurf aufgestellt.

Am 30. November 2011 schließlich ging das Eigentum an dem Fördermaschinenhaus von der RAG auf die Stiftung Industriedenkmal und Geschichtskultur über. Das im Osten angrenzende Grundstück, auf dem ein soziokulturelles Zentrum entstehen soll, hat die Stadt Dorsten erworben. Am 05.09.2012 beschließt der Rat der Stadt Dorsten den Bebauungsplan "Ehemalige Schachtanlage Fürst Leopold -Teilabschnitt Süd/Ost-".

Förderung auf Fürst Leopold


Gebäude

Sieben der einst über 30 übertägigen Gebäude stehen unter Denkmalschutz und werden künftig für kulturelle und gastronomische Zwecke genutzt. Es sind dies die Lohnhalle mit Verwaltung und Kauen, das Lager- und Lüftergebäude, das Fördermaschinenhaus sowie die Elektrische Zentrale (Dampfzentrale) und die Torhäuser. Die Bauten der Zeche Fürst Leopold entstanden im Wesentlichen in der Zeit zwischen 1911 bis 1916. Während die ersten Gebäude im aufwendigen neobarocken Backsteinstil/Reformstil (z.B. das Fördermaschinenhaus Schacht 1) errichtet wurden, konnten die in der Zeit des ersten Weltriegs und danch errichteten Bauten nur schlicht und dem Zweck entsprechend einfach ausgeführt werden.


Elektrische Zentrale

Die Elektrische Zentrale, vis-à-vis dem Verwaltungsgebäude, wurde bis zum Ende des Zechenbetriebs mehrfach umgenutzt und erweitert. In dem 1912 errichteten Gebäude standen zunächst zwei Turbogenatoren mit einer Leistung von je 1,6 Megawatt. Später kamen noch Kompressoren für die Bereitstellung von Druckluft hinzu.

1935 wurde die elektrische Zentrale nach Süden hin erweitert. In diesem Zusammenhang änderte man die Ausgestaltung der Fassade durch Vorsetzen einer Klinkerverblendschale. Dadurch war es auch möglich, die Stromerzeugung, die bis zu dieser Zeit noch auf die beiden Betriebsstandorte (Baldur und Fürst Leopold) aufgeteilt war, zusammenzulegen. Die bis dahin auf Baldur betriebene 2,5 MW Dampfturbine fand so neben den beiden vorhandenen 1,6 MW Aggregaten und den Verdichtern in der vergrößerten elektrischen Zentrale einen neuen Platz. Der Standort Baldur erhielt von da ab den notwendigen Betriebsstrom über von Fürst Leopold aus verlegte Mittelspannungsleitungen.

Um den durch die zunehmende Mechanisierung erhöhten Strombedarf zu decken, erweiterte man 1948 das Gebäude nochmals um zwei Achsfelder und stellt eine vierte Dampfturbine mit einer elektrischen Leistung von 8 MW auf. 1952 wurde die Eingangstreppe nochmals umgebaut.

Mit Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe des neuen Hochdruckkraftwerks (1953), östlich des Maschinenhauses -Schacht 2- gelegen, wurde nur noch ein 10 MW BBC-Turbogenerator in der Kraftzentrale betrieben. Daneben befanden sich noch drei Turbokompressoren mit einer Gesamtleistung von 240.000 m³/h in diesem Gebäude. Der 300 °C. heiße Dampf (13 bar) für diese Kondensationsturbine, wie auch für die drei dort aufgestellten Kompressoren, kam von da ab als Abdampf aus dem neuen Kraftwerk von einer der beiden 10,5 MW bzw. 3,5 MW Vorschaltturbinen bzw., bei Ausfall dieser Aggregate, über eine Reduzierstation direkt von den Hochdruckkesseln.

1981 wurde aus der Kraftzentrale die Druckluft-/Dampfzentrale. Der Turbogenerator und einer der beiden Kompressoren wurden abgebaut. Der Dampf für die Fördermaschinen kam nun nicht mehr vom Kraftwerk, sondern wurde unmittelbar in der ursprünglichen „Elektrischen Zentrale“ erzeugt. Dazu wurden zwei kompakte gasbefeuerte Kessel installiert, von denen einer, bei Störungen der Gasbelieferung, auch mit Leichtöl, aus den dem Gebäude im Osten vorgelagerten Tanks, betrieben werden konnte. Das Gas wurde von der Kokerei Prosper in Bottrop bezogen. Für die Bereitstellung von Druckluft dienten zwei neben den Turboverdichtern aufgestellte Elektrokompressoren.

Mit Inbetriebnahme der neuen Elektrofördermaschine -Schacht 2-am 25.7.2008 wurde die Druckluft-/Dampfzentrale ausserbetriebgesetzt.

Elektrische Zentrale, Grundrisse -Veränderungen-, © Hagemann
Elektrische Zentrale, 1912, © Hagemann
Dampfzentrale, früher: Elektrische Zentrale, 2008, © Hagemann


Spätere Bezeichnungen
- Kraftzentrale, 
- Maschinenzentrale, 
- Pressluftzentrale, 
- Druckluftzentrale 
- Dampfzentrale
Baujahr 1912, 1935 neu errichtet, 1948 nochmals erweitert.
Architektur Ursprünglich in einem an den Jugendstil angelehnten Reformstil erbaut, wurde die elektrische Zentrale 1935 nach Süden erweitert und die Fassade durch Vorsetzen einer Kinkerverblendschale verändert.
Maße 1912:
Länge: 39 m
Breite: 22 m
Höhe: 20 m
Maße 1935:
Länge: 50 m
Breite: 22 m
Höhe: 20 m
Maße 1948:
Länge: 63 m
Breite: 22 m
Höhe: 20 m
1912 2 Zweidruckdampfturbinen mit einer Leistung von je 1,6 Megawatt.
1922 + 1 Turbokompressor, 19.000 m³/h.
1928 + 1 Kreiselkompressor
1935 + 1 Turbogenerator
1948 + 1 Turbokompressor
1952 + 1 Turbokompresor
1955 Nach Fertigstellung des neuen Hochdruckkraftwerks verbleiben in dem Gebäude nur noch
  - 3 Turbokompressoren mit einer Gesamtleistung von 240.000 m³/h und 
  - 1 Turbogenerator (10 MW)
1981 Umnutzung als Dampf-/Druckluftzentrale
- 2 Dampfkessel mit einer Leistung von je 25 t Dampf pro Stunde
- 2 elektrisch betriebene Radialverdichter mit einer Leistung von je 20.000 N/m³
- 1 elektrisch betriebener Schraubenverdichter (5.000 N/m³)
2008 Außerbetriebnahmee Die benötigte Druckluft für die Wasserhaltung wurde von da ab von Verdichtern im Grubengebäude erzeugt.


Hauptmaschinengebäude

Das 1914 errichtete Hauptmaschinengebäude diente der Erzeugung von Druckluft und der Bewetterung des Grubengebäudes. Über einen unterirdisch mit Schacht 1 verbundenen Kanal wurden die verbrauchten Grubenwetter über Großlüfter abgezogen. Zusätzlich standen ursprünglich noch zwei dampfbetriebene Kompressoren in dem Gebäude.

Hauptmaschinengebäude, 1914, Südansicht, © Hagemann


Spätere Bezeichnungen
- Maschinengebäude
- Lüfter- und Lagergebäude
- Trafozentrale (missverstänlich, da niemals Trafos in dem Gebäude standen. Besser nicht verwenden.)
Baujahr 1914
Architektur Schlichter Backsteinbau, durch Wandvorlagen vertikal und Gurtgesimse horizontal gegliedert.
Maße
Länge: 44 m
Breite: 28 m
Höhe: 20 m
1914
- 2 Lüfter (Ventilatoren) à 12.000 m³/min Luftdurchsatz.
- 1 Kolbenkompressor: 10.000 m³/h
- 1 Kolbenkompressor: 12.000 m³/h

Die Lüfter dienten der Bewetterung des Grubengebäudes. Die „warmen Wetter“ wurden ursprünglich über Schacht 1 von den Grubenlüftern angesaugt und über Diffusoren an die Umgebungsluft abgegeben.

1937
Zusätzlich wurden noch aufgestellt:
- 1 Kreiselkompressor: 28.000 m³/h
- 1 Turbokompressor: 19.000 m³/h
1979 Außerbetriebnahme der Grubenlüfter.

(Neue Grubenlüfteranlage im ehemaligen westlichen Fördermaschinenhaus von Schacht 1).

1981 Im östlichen Teil des Obergeschosses wurde eine 5 kV Schaltanlage eingebaut für die Stromversorgung (500 V und 220 V) der Grube und der übertägigen Gebäude. Im nördlichen Bereich wurden Werkstätten eingerichtet.


Lohnhalle und Verwaltung

Die Verwaltung und Lohnhalle wurde 1914 in Ziegelmauerbauweise errichtet. An sie schließt sich im Westen das Kauengebäude an. Die Lohnhalle geht über drei Geschosse mit zwei umlaufenden Galerien und großem Oberlicht. Im Erdgeschoss befanden sich Büroräme, die Lohnschalter, Steigerbüros und Magazinräume. im ersten Obergeschoss waren die Büros der Werksleitung, sowie die Direktions- und Steigerkauen untergebracht. Die Stabsstelle, Markscheiderei und die Lampenstube befanden sich im Dachgeschoss. Mit zunehmenden Ausbau der Zeche erreichte die Kaue ihre Kapazitätsgrenze, so dass 1952 das Gebäude erweitert werden musste. Gleichzeitig wurde mit dieser Maßnahme eine Trennung in Schwarz- und Weißkaue vorgenommen.

Lohnhalle und Verwaltung -Ostansicht-, © Hagemann
Lohnhalle, Verwaltung und Kauen, © Hagemann

Datei:1200x1px black.jpg

Fördermaschinenhaus Schacht 2
Kohleabbau unter Dorsten, Quelle: Kuschke, Michael, Geschichte des Bergbaus in Dorsten, 2008.

Pläne

Östl. Fördermaschine - Schacht 2: Konstruktionsplan Maschinenrahmen der Pleuelstange, Friedrich Wilhelms-Hütte, Mülheim-Ruhr, 1912.

Östl. Fördermaschine - Schacht 2: Schnitt durch Maschine und Fundament, Friedrich Wilhelms-Hütte, Mülheim-Ruhr, 1914.


Interne Links

Geschichte des Bergbaus in Dorsten, Michael Kuschke, 2008.

Historische Zeitungsartikel zu Fürst Leopold



Literatur

  • 100 Jahre Bergbau Lippe, 1907 - 2007: Festschrift, Herne, Deutsche Steinkohle AG, 2007, 107 Seiten. Standort: Verein.
  • Bergwerk Fürst Leopold / Wulfen 1913 - 1993: Dortmund, Ruhrkohle-Zentraldruckerei, 1994, 246 Seiten. Standort: Stadtbibliothek.
  • Chronik des Bergwerks Fürst Leopold / Wulfen 1913-1988: 1988, Standort: Stadtbibliothek.
  • Fünfzig Jahre Fürst Leopold Baldur. 1913-1963, Hoesch AG Bergbau, Dorsten, 1963, 62 Seiten, Standort: Stadtbibliothek.


Weblinks

Verein für Bergbau-, Industrie- und Sozialgeschichte / Fürst Leopold

Wikipedia: Zeche Fürst Leopold

Route Industriekultur

Persönliche Werkzeuge